Blepharospasmus

Diese Erkrankung tritt häufig auch in Kombination mit anderen Dystonien des Gesichts, Kiefers und Mundbereichs – meistens im höheren Lebensalter – auf, und kommt häufiger bei Frauen vor.

Andere Bezeichnungen: Tonischer Lidkrampf, kraniale Dystonie

Diese Erkrankung tritt häufig auch in Kombination mit anderen Dystonien des Gesichts, Kiefers und Mundbereichs – meistens im höheren Lebensalter – auf, und kommt häufiger bei Frauen vor.

Klinisches Bild

Unwillkürliche tonische oder klonische Verkrampfungen der Lidschlussmuskulatur (klassischer bzw. tonischer Blepharospasmus). Das Offenhalten der Augen ist erschwert, in schweren Fällen gar nicht mehr möglich, sodass bei intaktem Sehapparat eine funktionelle Blindheit bestehen kann. In manchen Fällen stehen weniger die Verkrampfungen der Lidschlussmuskulatur im Vordergrund als vielmehr eine Hemmung der Lidöffnung („Lidöffnungs-Inhibitionstyp“). Trotz fehlenden Krampfes können die Augen auf Aufforderung nicht geöffnet werden.

Häufig besteht eine starke Behinderung bei alltäglichen Tätigkeiten. Insbesondere stellen sich zunehmend Probleme im Straßenverkehr ein, häufig wird eine Begleitperson benötigt. Bei bestimmten Tätigkeiten (z. B Autofahren, Lesen, Fernsehen) kann es zu einer Verstärkung des Blepharospasmus kommen, regelmäßig werden grelles Licht und Luftzug als Krampfverstärker angegeben. Häufig werden auch „sensorische Tricks“ zur Erleichterung angegeben. Zum Beispiel kann das Anlegen eines Fingers an der Stirn, das Zusammenkneifen einer Augenbraue, aber auch Sprechen und Gähnen zu einer Abnahme des Lidkrampfes führen. Dies bezeichnet man in der Fachsprache als „geste antagoniste“.

Verlauf

Beim Blepharospasmus handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Spontanheilungen sind selten.

Therapie

Die Botulinumtoxinbehandlung stellt heute die Therapie der ersten Wahl dar. Früher wurden diverse Medikamente versucht, allerdings in den meisten Fällen ohne entscheidenden Erfolg.

Spezielle Aspekte der Botulinumtoxinbehandlung

Behandlungstechnik: Mit einer dünnen Nadel wird Botulinumtoxin lokal in die dystonen Lidschlussmuskeln gespritzt. Meistens werden pro Auge drei bis fünf Stellen injiziert. Abhängig von der Symptomatik können lidrandferne oder lidrandnahe Injektionsstellen gewählt werden. Die Injektionen, die meist in liegender Position vorgenommen werden, sind wenig schmerzhaft und werden vom überwiegenden Teil der Patienten als wenig belastend empfunden. Abgesehen von kleinen Blutergüssen – wie sie nach jeder Injektion vorkommen können – ist mit keinen unmittelbaren Nebenwirkungen zu rechnen.

Wirkungseintritt

Ein Wirkungseintritt wird nach wenigen Tagen und ein Wirkungsmaximum nach etwa 5 bis 20 Tagen erreicht. Im Anschluss daran kann eine Plateauphase mehrere Monate anhalten.

Therapieerfolg

Durch die vorübergehende Schwäche der überaktiven Lidschlussmuskeln kommt es bei etwa 90% der behandelten Patienten zu einer Abnahme des Lidkrampfes, das subjektiv als sehr angenehm empfunden wird. Bei Patienten mit einem Blepharospasmus des Lidinhibitionstyps wird häufig auch eine Besserung der Lidöffnung beschrieben, obwohl die Therapieerfolge mit Botulinumtoxin bei dieser Form nicht ganz so überzeugend sind wie bei der klassischen Form des Blepharospasmus.

Nebenwirkungen

An Nebenwirkungen kommt insbesondere eine Lidhebeschwäche vor, die bei gleichzeitiger Abnahme des Lidkrampfes zu einer Verengung der Lidspalte führt. Diese Schwäche bildet sich immer nach wenigen Tagen vollständig zurück. Selten kann es auch zu vorübergehender Trockenheit des Auges, zu Doppelbildern und zu einer Schwäche beim Heben des Mundwinkels kommen.

Dosis

Aufgrund der dünnen, wenig voluminösen Muskeln werden nur kleine Mengen an Botulinumtoxin injiziert. Manche Anwender verwenden bei der ersten Injektion eine etwas höhere Dosis an Botulinumtoxin als bei den Folgebehandlungen. Allgemein wird bei Folgebehandlungen je nach dem Erfolg der Letztinjektion und dem Auftreten von Nebenwirkungen dosiert. Es ist immer eine individuelle Anpassung der Dosis notwendig, da auch individuelle Unterschiede in der Ansprechbarkeit bestehen. Eine Zunahme der Gesamtmengen wird bei Folgeinjektionen selten beobachtet.

Wirkdauer und Wiederholungsbehandlungen

Die Wirkdauer liegt im Durchschnitt bei drei Monaten. Wiederholungsbehandlungen bringen in den meisten Fällen einen gleich guten Effekt.